Deepal, ein Neueinsteiger auf dem australischen Automarkt, hat den Verkauf seines E07 Multitruck vorübergehend eingestellt, da das Unternehmen die Australian Design Rule (ADR) 34/03 bezüglich Verankerungspunkten für Kinderrückhaltesysteme nicht eingehalten hat. Das von Deepal Australia bestätigte Problem betrifft Fahrzeuge, die ohne erforderliche Verankerung in der mittleren Rücksitzposition hergestellt wurden.
Das Problem: ADR 34/03 schreibt das Vorhandensein einer Kinderrückhalteverankerung auf dem mittleren Rücksitz vor, ein Sicherheitsstandard, der seit 2019 für Neufahrzeuge und 2022 für alle verkauften Fahrzeuge gilt. Ohne diese Verankerung kann ein Kindersitz in dieser Position nicht sicher montiert werden, was die Verletzungsgefahr bei einem Unfall erhöht. Deepal wird eine Rückrufaktion durchführen, um die Nichteinhaltung zu beheben.
Dieser Vorfall ist kein Einzelfall. In den letzten Jahren standen BYD, Honda und Tesla auch in Australien vor ähnlichen regulatorischen Hürden. BYD stellte die Auslieferungen seines Atto 3 im Jahr 2022 ein, während Honda den HR-V kontrovers als Viersitzer auf den Markt brachte, um Compliance-Problemen aus dem Weg zu gehen. Tesla war gezwungen, aktualisierte Limousinen des Modells 3 zurückzurufen, nachdem es Ende 2023 eine nicht konforme Version auf den Markt gebracht hatte.
Warum das immer wieder passiert: Australiens Kfz-Vorschriften weichen oft von internationalen Standards ab, was Hersteller dazu zwingt, Fahrzeuge entweder speziell für den australischen Markt anzupassen oder eine Nichteinhaltung zu riskieren. Dieses Problem hat bei Marken wie Mitsubishi und Nissan Kritik hervorgerufen, die ADR 34/03 als Hindernis für den Markteintritt anführen.
Die australische Regierung erkannte diese Bedenken Ende 2024 an und leitete eine Überprüfung ein, um ADRs mit globalen Standards in Einklang zu bringen. Bei der von Dr. Warren Mundy geleiteten Überprüfung wurde öffentliches Feedback zur Straffung des Genehmigungsprozesses für Fahrzeuge eingeholt, um Kosten und Verzögerungen zu reduzieren, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen. Die Bundeskammer der Automobilindustrie plädierte dafür, UN-Vorschriften zu übernehmen, anstatt einzigartige australische Standards beizubehalten.
Die Ergebnisse dieser Überprüfung stehen noch aus, aber die wiederkehrenden Compliance-Verstöße verdeutlichen die Notwendigkeit einer Regulierungsreform. Das derzeitige System schafft unnötige Reibungen für die Autohersteller, verhindert jedoch keine Sicherheitsprobleme, wie der Rückruf von Deepal E07 zeigt.
Die Situation unterstreicht die Komplexität der Automobilvorschriften und die Bedeutung der Angleichung von Standards, um sowohl Sicherheit als auch effizienten Marktzugang zu gewährleisten.
