China bewegt sich schnell. Industrielle Macht gepaart mit einer aggressiven Politik im Bereich der erneuerbaren Energien verwandelt das Reich der Mitte in ein Kraftwerk für Elektrofahrzeuge. Die Strategie ist klar: Masseneinführung durch Einstiegspreise. Man braucht keine Luxuslimousine, um die Menschen von fossilen Brennstoffen zu befreien. Sie brauchen einen günstigen, praktischen Flitzer. Zwei aktuelle Enthüllungen – eine von Great Wall Motor und eine vom französischen Teileriesen Valeo – zeigen genau, wie sich das auswirkt.
Der Ora R1: Elektrifizierung für den Einstieg
Great Wall Motor hat gerade den Ora R1 vorgestellt. Es handelt sich um einen fünftürigen Stadtwagen, der verdächtig nach einem Smart Forfour aussieht, aber preislich deutlich unter dem der Konkurrenz liegt. Wir sprechen von einem Preisniveau unter 7.500 Euro, sobald chinesische Subventionen in Anspruch genommen werden. Das ist spottbillig für ein vollelektrisches Fahrzeug.
Unter der Haube (oder besser gesagt unter dem Boden) befindet sich ein 47-PS-Elektromotor. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 km/h. Bei der Batterie handelt es sich um einen 35-kWh-Lithium-Ionen-Akku, der eine Reichweite von bis zu 312 Kilometern ermöglicht. Die realen Ergebnisse können natürlich variieren. Batterieverschlechterung, Fahrstil und Wetterbedingungen wirken sich immer negativ auf die Angaben der Hersteller aus.
Great Wall Motor setzt auf Direktverkäufe an Verbraucher, um die Kosten niedrig zu halten. Kein Händleraufschlag bedeutet niedrigere Preise für den Käufer.
Die Garantiestruktur ist branchenüblich: drei Jahre oder 120.000 km für das allgemeine Fahrzeug. Die wesentlichen Komponenten laufen acht Jahre bzw. 150.000 km. Es ist unklar, ob der Akku zu den „wesentlichen Komponenten“ zählt. Kunden können den Ora R1 online kaufen. Durch die Umgehung physischer Händler reduziert Great Wall die Vertriebskosten. Dieses Modell gibt es derzeit nur in China, aber ein Erfolg hier könnte das Konzept weltweit exportieren.
Valeos 48-V-Prototyp: Niedrige Spannung, niedrige Kosten
Wenn der Ora R1 ein Herstellereinstieg ist, ist der 48V von Valeo die Antwort eines Zulieferers. Der französische Ausrüstungshersteller nutzte den CES-Showcase, um einen Prototyp eines zweisitzigen Elektro-Stadtautos zu präsentieren. Das Ziel? Ein Fahrzeug zum Preis von 7.500 €.
Valeo versucht nicht, ein Autohersteller zu werden. Sie entwickeln das Antriebssystem und lassen die Autos von lokalen chinesischen Marken zusammenbauen. Die Technologie basiert auf einem Niederspannungs-Elektroantrieb mit regenerativem Bremsen. Laut Valeo ist dieser Aufbau 20 % günstiger als bestehende Hochspannungslösungen. Das Gewicht ist minimal – nur 600 kg.
Die Batterie ist eine bescheidene 14-kWh-Einheit. Die Reichweite liegt bei 100 km. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 100 km/h. Der Ladevorgang dauert weniger als vier Stunden. Es ist nicht für Roadtrips über Land hinweg gebaut. Es ist für den städtischen Pendelverkehr konzipiert. Durch die Zusammenarbeit mit der Shanghai Jiao Tong University wurde sichergestellt, dass das Design den lokalen Bedürfnissen entspricht.
Warum der chinesische Markt wichtig ist
Das Potenzial in China ist riesig. Die Regierung hat vorgeschrieben, dass Fahrzeuge mit neuer Energieversorgung bis 2020 12 % des Jahresabsatzes ausmachen sollen. Der Preis ist der Hebel, um dies zu erreichen. Subventionen helfen, aber die industrielle Kernkapazität der chinesischen Hersteller wird die Kosten weiter senken.
Die Infrastruktur holt auf. Es sind bereits 80.000 Ladestationen in Betrieb. Weitere 800.000 sind geplant. Dies ist kein Nischenmarkt. Es ist eine Flutwelle.
Der Ora R1 und der Valeo 48V stellen die Vorreiter dieses Wandels dar. Klein, günstig, elektrisch. Die Technologie ist ausgereift genug für den einfachen Transport. Die Ökonomie funktioniert im großen Maßstab. Wir erleben wahrscheinlich gerade erst den Beginn einer Flut kostengünstiger chinesischer Elektrofahrzeuge. Der Rest der Welt beobachtet, ob diese Modelle ohne Subventionen überleben können. Oder ob sie allein über den Preis konkurrieren können. Die Antwort wird darüber entscheiden, wer die nächste Ära der Mobilität anführt.





























